In der Stadt in der ich lebe, werden zur Zeit ganz viele neue Eigentumswohnungen gebaut. Hauptsächlich sehr schicke und natürlich dementsprechend teure Wohnungen.Das ist ja OK, find ich. Ich finde auch OK, dass die Wohnbaugesellschaft, die das vorantreibt, zum Teil der Stadt gehört.

Was ich ein bisschen schade finde ist, dass kein sozialer Wohnungsbau stattfindet. Mit anderen Worten es werden keine Wohnungen gebaut in denen weniger wohlhabende Menschen leben sollen. Sogar die Altbauwohnungen in den Gegenden, die in meiner Kindheit (aus vielen Gründen) als wenig attraktiv galten werden jetzt nicht nur von aussen saniert und renoviert, sondern auch viel kernsaniert. Das heisst: Mieter raus, Gebäude neu, Mieten hoch, neue Mieter rein.
Als ich das meiner Mutter erzählte, die in ihrer Tätigkeit als Ärztin schon in den damals als unschön geltenden Wohngegenden häufiger Menschen besucht hat (und Horrorstories erzählt), fragte sie mich wohin dann die ärmeren Menschen ziehen. Ich finde das ist eine gute Frage. In die Nachbarstadt? Aufs Land? Ich befürchte fast, der Stadt (Bürgermeister, Stadtrat, Planungsämter) ist das egal. Oder sogar recht. Weil: wer will denn schon arme Menschen in seiner Stadt?
Ein Bekannter argumentierte, dass ungebildete und arme Menschen ihre Umgebung nicht pflegen. Er sagte, dass der Müll nicht getrennt wird oder gleich auf die Straße geschmissen wird, die Wände besprüht werden und Grünanlagen zerstört werden. Ich sage: wir sollten uns auch keine Banlieus bauen, sondern lebenswerte Städte für Alle. Das heisst für mich: dass man zum Bäcker, Gemüsehändler und Metzger nicht mit dem Auto fahren muss; dass die Kinder nicht zur (Grund-) Schule gefahren werden müssen; dass kleine Läden den Stadtteil bereichern; und am allerwichtigsten finde ich, dass verschiedene Menschengruppen in einer Nachbarschaft leben. Vielleicht plant man ja zukünftige Häuser mal so, dass unten ein Laden oder Kiosk ist und oben drüber verschiedene Wohnungen für verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Geldbeuteln.